„Money makes the world go round” – Das Global Media Forum 2022 und die große Frage nach dem Geld

Meta, Twitter und Google – sie alle haben mit ihrem explosionsartigen Wachstum den Journalismus-Markt auf den Kopf gestellt. Dieser Wandel hat erhebliche Auswirkungen auf die Finanzierung der verschiedensten journalistischen Angebote. Im Rahmen des Global Media Forums 2022 fand deshalb eine eigene Diskussionsrunde, unter dem Titel „Money makes the world go round“, statt.

„Ich weiß, dass das Wort in diesem Raum sind sonderlich beliebt ist, aber wir müssen anfangen Nachrichteninhalte mehr als Produkt zu sehen.“ Gerrit Rabenstein traut sich etwas. Ein ganzer Plenarsaal voller Journalisten und er spricht davon journalistische Inhalte zukünftig aus einer eher kapitalistischen Perspektive zu betrachten? Große Stille herrscht im Saal. Es scheint mir fast so, als ob das Stirnrunzeln vieler meiner Kollegen greifbar ist. Die Ausgangsfrage war doch noch eine gänzlich andere gewesen. Schnell ergreift die Moderatorin Edith Kimani wieder das Wort.

Das Podium ist dabei heute sinnvoll besetzt worden. Neben Gerrit Rabenstein, dem Leiter der News-Partnerschaften von Google in Deutschland, befinden sich auch noch Thomas Owen Ripley, stellvertretende Minister für kulturelle Angelegenheiten und Medien in Canada, und Dr. Njoki Chege, Leiterin des Innovation Center für Medien an der AGA Khan University in Kenia, mit auf dem Podium. Einer der führenden Mitarbeiter von Google, ein Politiker und eine Medienforscherin – personell sind also alle Voraussetzungen getroffen worden, um für eine spannende Diskussion zu sorgen.

Doch was ist dabei eigentlich die grundlegende Problematik? Moderatorin Edith Kimani fasst sie in ihrer ersten Frage wie folgt zusammen: „Gibt es im digitalen Internetzeitalter überhaupt noch Wertschätzung für gut produzierten Journalismus?“ Ohne Wertschätzung, keine Einnahmen – so viel scheint vorab schonmal klar zu sein. Eine wichtige Rolle spielt immer wieder der Reuters Media Report 2022. Dessen Ergebnisse fallen nämlich ernüchternd aus – grade in Deutschland. Das Interesse an Nachrichten ist langfristig betrachtet tendenziell rückläufig. Bei der jüngeren Generation geht es noch einen Schritt weiter. Jeder zehnte Onliner im Alter ab 18 Jahren versucht oftmals bewusst, Nachrichten zu vermeiden, 65 Prozent zu mindestens gelegentlich. So kann es nicht verwundern, dass die Journalismus Branche der Gegenwart Probleme bei der Geldakquise aufweist.

Thomas Owen Ripley sieht in dieser schlechten Ausgangslage, aber gleichzeitig auch eine große Möglichkeit. „Es ist eine der größten Aufgaben unserer Zeit den Menschen zu verstehen zu geben, dass Journalismus kostet.“, sagt er, während er weitergehend über die Disruption spricht, die den Journalismus Markt in den letzten Jahren heimgesucht hat. Auf der einen Seite sind da die Rückgänge der Werbeeinahmen zu nennen. Die Suchmaschinen und sozialen Netzwerke, liefern mittlerweile einfach zielgenauere Möglichkeiten Werbung zu platzieren.  Auf der anderen Seite steht der digitale Strukturwandel, der journalistischen Printmedien genauso zusetzt wie dem Fernsehen. Daraus schlussfolgert Ripley die dringende Notwendigkeit sich über neue journalistische Geschäftsmodelle Gedanken zu machen. Von Seiten der Politik würde es dabei hauptsächlich darum gehen, gezielt privatwirtschaftliche und innovative Modelle zu fördern.

Die Bedeutung der öffentlich-rechtlichen Sender muss dabei aber auch immer wieder betont werden. Dr. Njoki Chege aus Kenia weiß, wovon sie spricht. In ihrer Heimat, in Ostafrika, gibt es keinen öffentlich-rechtlichen Journalismus. Die Folgen sind teils dramatisch. Dr. Chege drückt es selbst wie folgt aus: „Der Schrott ist für alle, während der gute Journalismus kostet.“ Daraus entstehe eine riesige „Wissenslücke“ innerhalb der Bevölkerung. Ein Zustand der in Deutschland bereits erkennbar ist. Verschiedene Gesellschaftsgruppen, die einen qualitativ unterschiedlichen Zugang zu Informationen haben, sind ein Nährboden für eine wachsende Polarisierung. Dauert dieser Zustand zu lange an, kann er das demokratische System, in dem wir leben, ins Wanken bringen.

Ist es deshalb automatisch die Verantwortung von sozialen Netzwerken und digitalen Suchmaschinen Qualitätsjournalismus zu fördern? Immerhin verwenden die meisten erwachsenen Onliner in Deutschland das Internet als Hauptquelle für ihre Nachrichten. Das sagt zu mindestens der Reuters Digital News Report. Mit 68 Prozent Reichweite hat sich das Internet mittlerweile vor das Fernsehen mit 65 Prozent geschoben. Gerrit Rabenstein nimmt diese Verantwortung so noch nicht wahr. Für Google ist es einzig und allein entscheidend welche Beiträge den meisten Traffic erzeugen. Umso mehr Aufrufzahlen, Likes und Shares ein Beitrag verursacht, um so prominenter wird er präsentiert. Generell muss man die Bedeutung von Journalismus für die größte Internet-Suchmaschine der Welt auch relativieren. Lediglich 2% aller Suchanfragen haben überhaupt einen journalistischen Bezug.

Wenn man es genau betrachtet, stehen die Möglichkeiten für neue aufstrebende Geschäftsmodelle im Journalismus aber so gut wie lange nicht mehr. Der bestehende Markt befindet sich in einer Wandlungsphase und sowohl die Suchmaschinen als auch die sozialen Netzwerke ermöglichen es bei vergleichsweise niedrigen Kosten seine Zielgruppe sehr genau anzuvisieren. Ein gutes Beispiel wie das journalistische Geschäftsmodell der Zukunft dabei aussehen könnte, liefert der Radio- und Audiomarkt. Audiostücke und Podcasts schaffen es mittlerweile eine große Anzahl von unterschiedlichen Menschen anzusprechen. Die erfolgreichen Audio-Formate bedienen dabei oft eine spezifische Nische. Eine Taktik, die zukünftig auch für digitale Text- und Bewegtbildmedien relevant sein wird.

Auch wenn die traditionellen Nachrichtenanbieter weiterhin den Markt dominieren werden. Auch kleineren und privaten Modellen wird, wenn sie auf eine feste Nische setzen, durch den digitalen Wandel eine große Möglichkeit eröffnet. In der Verantwortung stehen dabei sowohl die Big Tech Unternehmen wie Meta, Twitter und Google, als auch die Politik. Es müssen konkrete Förderungsmaßnahmen beschlossen werden, um Gründern von journalistischen Unternehmungen eine Perspektive darzulegen. Ein wichtiger Punkt für die Gründer ist es auf der anderen Seite „anzufangen Nachrichteninhalte mehr als Produkt zu sehen.“. Ganz wie Gerrit Rabenstein es vorausgesagt hat.

Jungredakteur aus der schönsten Stadt am Rhein.

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