Ausgefunkt

Warum manche YouTuber:innen nicht öffentlich-rechtlich sein wollen

Zerbricht das Content Netzwerk des öffentlichen Rundfunks?
Zerbricht das Content-Netzwerk des öffentlichen Rundfunks? Bild: Calvin Kliemann

Einige erfolgreiche Creator:innen verlassen funk, das digitale Content-Netzwerk von ARD und ZDF. Wie konnte es dazu kommen?

Liest man den Jahresbericht von funk, könnte man meinen, das Netzwerk kaum erklären zu müssen. Laut einer Studie im Auftrag von funk kennen 76% der Zielgruppe mindestens eines der Formate oder das Netzwerk selber. Eine beeindruckende Zahl, insbesondere für öffentlich-Rechtliche Rundfunkanstalten. Die Zielgruppe: Das sind 14 – 29-Jährige, die Gruppe der Bevölkerung, welche die neuen Medien am intensivsten nutzt. Die gleiche Studie gibt auch an, dass 99% dieser Altersgruppe täglich das Internet nutzen – also so genannte Digital Natives.

Jenseits der Mediatheken

Mit dem Credo „funk ist anders“ sollen der Demokratie verpflichtete und vielfältige Inhalte für digitale Medien produziert werden, welche die Kategorien des staatsvertraglichen Auftrags abbilden. Vereinfacht gesagt: Der öffentlich-rechtliche Anspruch soll abseits verstaubter Ausspielwege und behäbiger Mediatheken auch besser auf YouTube, Instagram und TikTok zu erreichen sein. Das Konzept scheint aufzugehen, allein auf YouTube erreichte das Netzwerk 2022 eigenen Angaben zufolge täglich stolze 3,8 Millionen Views.

Plattformgerecht boulevardesk

Auf den über 50 Kanälen werden auf funk vielfältige Themen aufbereitet, die für junge Zuschauer relevant sind. Neben seriösen Wissensvermittlern wie MrWissen2Go sind die Themen auf digitale Medien ausgelegt. Videos auf dem Kanal TRU DOKU, die mit Titeln wie „Morgens Uni, abends Stripclub“ Aufmerksamkeit generieren wollen, wirken dabei ungewohnt boulevardesk – zumindest für öffentlich-rechtliche Formate. Auch die Kurzweiligkeit von Inhalten auf Instagram und TikTok diktiert den Charakter des Contents, der sich dann gar nicht mehr so sehr von anderen Inhalten auf den Plattformen unterscheidet.

Schwächen des Rundfunksystems

Doch immer mehr Kanäle verlassen 2023 das Netzwerk, darunter auch die erfolgreichen Kanäle simplicissimus, Dinge erklärt – Kurzgesagt und maiLab. Nach aktuellem Stand haben diese zusammen mehr als fünf Millionen Abonnenten auf YouTube, eine gigantische Zahl für deutschsprachige Kanäle. Die Kanäle simplicissimus und Dinge erklärt – Kurzgesagt begründen ihren Abgang mit den rigiden Auflagen öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten. Dabei betonten die Creator:innen jedoch auch immer wieder, dass keine inhaltlichen Vorgaben gemacht, aber Abnahmeprozesse und Bürokratie zunehmend hinderlich wurden. Auch das Werbeverbot für andere Kanäle und Nebenprojekte hat wohl nicht dabei geholfen, kommerziell ohnehin erfolgreiche Kanäle weiterhin binden zu können.

Die Einführung von funk hat gezeigt, wie sich Öffentlich-Rechtliche neu erfinden und auch neue Medien erfolgreich bedienen können. Dabei werden gleichzeitig junge Creator:innen aktiv gefördert. Offenbart werden aber auch die Schwächen des Rundfunksystems: strenge Auflagen, eine hinderliche Bürokratie und undurchsichtige Verwaltungsprozesse. Jetzt liegt es an jungen Medienschaffenden, sich dieser Herausforderung zu stellen und die Modernisierung öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten zu unterstützen.

Autor

  • Calvin Kliemann

    Calvin ist immer neugierig und will mehr wissen. Am meisten interessiert er sich für Kultur und Technik. Aktuell schreibt er beim Kölner Stadt-Anzeiger.

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