{"id":5486,"date":"2023-08-07T12:19:43","date_gmt":"2023-08-07T10:19:43","guid":{"rendered":"https:\/\/juk.hmkw.de\/perspektive-journalismus\/?p=5486"},"modified":"2023-08-09T11:02:16","modified_gmt":"2023-08-09T09:02:16","slug":"kann-man-da-noch-hingehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/juk.hmkw.de\/perspektive-journalismus\/kann-man-da-noch-hingehen\/","title":{"rendered":"Kann man da noch hingehen?"},"content":{"rendered":"\n<h1>Kann man da noch hingehen?<\/h1>\n\n\n\n<h2>Nachhaltigkeit in Museen und Kulturbetrieben<\/h2>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"http:\/\/juk.hmkw.de\/perspektive-journalismus\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2023\/08\/pexels-photo-69903-1024x683.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5487\" srcset=\"https:\/\/juk.hmkw.de\/perspektive-journalismus\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2023\/08\/pexels-photo-69903-1024x683.jpeg 1024w, https:\/\/juk.hmkw.de\/perspektive-journalismus\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2023\/08\/pexels-photo-69903-300x200.jpeg 300w, https:\/\/juk.hmkw.de\/perspektive-journalismus\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2023\/08\/pexels-photo-69903-768x512.jpeg 768w, https:\/\/juk.hmkw.de\/perspektive-journalismus\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2023\/08\/pexels-photo-69903-1536x1024.jpeg 1536w, https:\/\/juk.hmkw.de\/perspektive-journalismus\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2023\/08\/pexels-photo-69903-2048x1365.jpeg 2048w, https:\/\/juk.hmkw.de\/perspektive-journalismus\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2023\/08\/pexels-photo-69903-360x240.jpeg 360w, https:\/\/juk.hmkw.de\/perspektive-journalismus\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2023\/08\/pexels-photo-69903-600x400.jpeg 600w, https:\/\/juk.hmkw.de\/perspektive-journalismus\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2023\/08\/pexels-photo-69903-800x533.jpeg 800w, https:\/\/juk.hmkw.de\/perspektive-journalismus\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2023\/08\/pexels-photo-69903-200x133.jpeg 200w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Insbesondere der Betrieb von Museen ist oft ressourcenintenstiv. Foto: ricardius\/pexels<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Man k\u00f6nnte sagen, Kunst zu betrachten sei schlecht f\u00fcr die Umwelt: Weitl\u00e4ufige klimatisierte Museumss\u00e4le in alten Geb\u00e4uden, lange Reisen, gro\u00dfe Auktionen, hoher Speditionsaufwand und erheblicher Energiebedarf. Diese Realit\u00e4t ist globaler Standard in Ausstellungen und Museen, Ateliers und Galerien.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Einer Studie des&nbsp;<em>Networks of European Museum Organisations<\/em>&nbsp;<em>NEMO<\/em>&nbsp;zufolge hat nur eine Minderheit von Museen die Umsetzung von Nachhaltigkeitspraktiken in langfristige Planungen aufgenommen. Im Gegensatz dazu betont jedoch die H\u00e4lfte der 578 untersuchten Museen, einen nachhaltigen Kulturbetrieb bereits jetzt zu unterst\u00fctzen. In der Studie wird die L\u00fccke zwischen Selbstwahrnehmung und der Praxis dieser Museen deutlich. In privat verwalteten Institutionen mag Greenwashing verzeihlich sein, doch Museen sind oft in \u00f6ffentlicher Tr\u00e4gerschaft. Offenheit und Ehrlichkeit gegen\u00fcber B\u00fcrgern sollte Vorrang gegen\u00fcber optimierter Selbstdarstellung haben. Wie also k\u00f6nnen Museen tats\u00e4chlich nachhaltiger werden? Die L\u00f6sungsans\u00e4tze sind vielf\u00e4ltig.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie gelingt die Planung?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Damit Kulturbetrieb nachhaltiger werden kann, braucht es umsichtige Aktionspl\u00e4ne, das sagt der Deutsche Museumsbund. Dieser engagiert sich seit einigen Jahren f\u00fcr mehr Nachhaltigkeit und begleitet beratend Projekte in der ganzen Republik. Das sind nicht nur Museen, auch Theaterb\u00fchnen und Bibliotheken stehen auf der Agenda der Organisation. Doch wie sieht die Nachhaltigkeitsrechnung f\u00fcr einen Kulturbetrieb aus?<\/p>\n\n\n\n<p>Der deutsche Museumsbund bilanziert Emissionen nach dem international anerkannten GHG (Green House Gas) -Protocol. Dieser Ansatz ist ganzheitlich, weil er nicht nur direkte Emissionen betrachtet, beispielsweise die einer Heizungsanlage. Auch indirekte Emissionen aus eingekaufter Energie sowie Transport- und Abfallmanagement der Institution resultieren in Emissionen, welche in die Bilanz mit eingehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Konzentration auf das GHG-Protocol ist dabei gleichzeitig Vor- und Nachteil. Vorteil deshalb, weil sich \u00fcbersichtlich einsehen l\u00e4sst, wo Potentiale stecken. Das GHG-Protocol f\u00f6rdert auch indirekt die Nutzung umweltvertr\u00e4glicherer Rohstoffe, weil Rezyklierung ebenfalls schon mit einbezogen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt nachteilig kann der mathematische Charakter des Frameworks sein. Wer beispielsweise bei der Energieversorgung weiterhin auf fossile Energietr\u00e4ger setzt und an anderer Stelle ausgleicht, kann bilanziert genauso gut wegkommen wie ein wirklich nachhaltiger Betrieb.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Folkwang-Museum auf dem Weg zur Klimaneutralit\u00e4t<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das GHG-Protocol zeigt in der Analysephase Schwachpunkte der Kulturbetriebe auf. Die Erkenntnis, dass Emissionen direkt oder indirekt verursacht werden, ist dabei so individuell wie die Kulturbetriebe selbst. Das Essener Folkwang Museum ist eines der Pilotprojekte des Museumsbunds. Die ganzheitliche Analyse hat ergeben: Im Essener Museum sind direkt verursachte Emissionen aus fossilen Energietr\u00e4gern f\u00fcr \u00fcber 90 Prozent der Emissionen verantwortlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Essener Folkwang Museum besitzt eine besonders gro\u00dfe Sammlung von Malereien und Skulpturen aus dem 19. Jahrhundert und der klassischen Moderne. Die Klimatisierung von Ausstellungsr\u00e4umen ist besonders wichtig. Lufttemperatur und Feuchtigkeit sind oft abgestimmt auf den bestm\u00f6glichen Erhalt von Gem\u00e4lden oder Analog-Fotografien. Diese notwendigen Anlagen verbrauchen jedoch auch viel Energie.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Emissionsreduktion dieser Anlagen ist ein erster Schritt hin zu einem nachhaltigeren Ausstellungsbetrieb. Wie Emissionen reduziert werden k\u00f6nnen, ist oft ersichtlich: Der Wechsel der Energietr\u00e4ger kann ein erster wichtiger Schritt f\u00fcr das Museum sein. In der konkreten Planung kann das die Installation von Photovoltaik-Anlagen auf der weitl\u00e4ufigen Dachfl\u00e4che bedeuten. Die so erzeugte Energie kann zur Versorgung der Klimatechnik genutzt werden, insbesondere in den warmen Sommermonaten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Doch nur Greenwashing?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u00d6kologische Nachhaltigkeit ist eines der gro\u00dfen Themen unserer Zeit, die Auswirkungen des Klimawandels sind laut Wissenschaftlern schon jetzt bereits messbar. Eine gro\u00dfe Aufgabe also, die von Unternehmen und Gesellschaft gemeistert werden muss. Da auch immer mehr Menschen Wert legen auf nachhaltige Produkte und Dienstleistungen, ist das Pr\u00e4dikat \u201eNachhaltig\u201c auch immer mehr zum Verkaufsargument geworden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das gilt ebenso f\u00fcr die Kulturbranche: Auch hier kann Nachhaltigkeit ein Selling-Point sein. Oft ist es schwer nachvollziehbar, wie sinnvoll Initiativen tats\u00e4chlich sind. Das K\u00f6lner Museum Ludwig wirbt ebenfalls mit dem Pr\u00e4dikat Nachhaltigkeit. Am konkretesten wird das Thema dort mit recycelten Hochbeeten aus anfallenden Transportkisten angesprochen. Damit denkt das Museum in die richtige Richtung, wird damit aber wohl nur einen geringen Effekt auf eine verbesserte Klimabilanz erreichen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Degrowth: Wie weniger mehr sein kann<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Degrowth<\/em>&nbsp;ist ein alternativer Ansatz aus den Wirtschaftswissenschaften, der auch f\u00fcr die Kulturbranche relevant sein k\u00f6nnte. Statt eines quantitativen und messbaren Wachstums soll beim Prinzip&nbsp;<em>Degrowth&nbsp;<\/em>die Qualit\u00e4t verbessert werden. Unsere Gesellschaft setzt seit der Industrialisierung auf ein stetiges Wachstum, mehr von etwas sei immer auch besser. Die Wirtschaftsnobelpreistr\u00e4ger 2019 Abhijit Banerjee und Esther Duflo haben sich mit diesem Prinzip besch\u00e4ftigt und stellen fest: \u201eWenn die Vorteile des Wachstums haupts\u00e4chlich von einer Elite vereinnahmt werden, [\u2026] kann dies zu einer sozialen Katastrophe f\u00fchren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Erkenntnisse lassen sich auch in die Kunstwelt \u00fcbertragen, in der nur ein kleiner Teil der Elite f\u00fcr Gro\u00dfteile des Umsatzes mit Kunst verantwortlich ist. Dabei geht es nicht darum, auf etwas zu verzichten \u2013 im Gegenteil. Bestehendes soll verbessert und ausgebaut, und nicht einfach nur ersetzt und nach Bedarf ausgetauscht werden. F\u00fcr eine Kunstwelt, die stetig wechselnde Ausstellungen und immer neue Werke gewohnt ist, w\u00fcrde dies ein Umdenken bedeutet. Dabei k\u00f6nnten auch die Werke wieder mehr in den Vordergrund treten und sich mit den Orten verbinden, an denen die Kunst platziert wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Um einen nachhaltigeren Museumsbetrieb zu erm\u00f6glichen, gibt es viele Ans\u00e4tze: Die Substitution von Energietr\u00e4gern durch umweltfreundlichere Alternativen und die Fortsetzung des bereits bestehenden Betriebs wird Kunstfreunden wohl am wenigsten Anpassungsf\u00e4higkeit abverlangen. Vielleicht sind aber gerade neue Ans\u00e4tze, Kunst anders denken zu wollen, M\u00f6glichkeiten zur Weiterentwicklung der Kulturlandschaft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man k\u00f6nnte sagen, Kunst zu betrachten sei schlecht f\u00fcr die Umwelt: Wie kann sich das \u00e4ndern?<\/p>\n","protected":false},"author":84,"featured_media":5487,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"om_disable_all_campaigns":false,"_mi_skip_tracking":false,"site-sidebar-layout":"default","site-content-layout":"","ast-site-content-layout":"","site-content-style":"default","site-sidebar-style":"default","ast-global-header-display":"","ast-banner-title-visibility":"","ast-main-header-display":"","ast-hfb-above-header-display":"","ast-hfb-below-header-display":"","ast-hfb-mobile-header-display":"","site-post-title":"disabled","ast-breadcrumbs-content":"","ast-featured-img":"disabled","footer-sml-layout":"","theme-transparent-header-meta":"","adv-header-id-meta":"","stick-header-meta":"","header-above-stick-meta":"","header-main-stick-meta":"","header-below-stick-meta":"","astra-migrate-meta-layouts":"default","ast-page-background-enabled":"default","ast-page-background-meta":{"desktop":{"background-color":"","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"tablet":{"background-color":"","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"mobile":{"background-color":"","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""}},"ast-content-background-meta":{"desktop":{"background-color":"var(--ast-global-color-5)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"tablet":{"background-color":"var(--ast-global-color-5)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"mobile":{"background-color":"var(--ast-global-color-5)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""}}},"categories":[48],"tags":[],"ppma_author":[115],"aioseo_notices":[],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/juk.hmkw.de\/perspektive-journalismus\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2023\/08\/pexels-photo-69903.jpeg","authors":[{"term_id":115,"user_id":84,"is_guest":0,"slug":"calvinkl23","display_name":"Calvin Kliemann","avatar_url":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/f5bf0d9a1ece09b6295df6b3215e1dfa?s=96&d=mm&r=g","first_name":"Calvin","last_name":"Kliemann","user_url":"","description":"Calvin ist immer neugierig und will mehr wissen. 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