{"id":4821,"date":"2023-07-11T10:51:26","date_gmt":"2023-07-11T08:51:26","guid":{"rendered":"https:\/\/juk.hmkw.de\/perspektive-journalismus\/?p=4821"},"modified":"2023-07-14T11:08:46","modified_gmt":"2023-07-14T09:08:46","slug":"nachrichtenmuedigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/juk.hmkw.de\/perspektive-journalismus\/nachrichtenmuedigkeit\/","title":{"rendered":"Ungl\u00fcck, Krise und Krieg: Immer mehr junge Menschen verweigern Nachrichten"},"content":{"rendered":"\n<h1>Ungl\u00fcck, Krise und Krieg:<br>Immer mehr junge Menschen verweigern Nachrichten<\/h1>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/juk.hmkw.de\/perspektive-journalismus\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2023\/07\/pexels-thirdman-8011958-1-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4973\" width=\"1920\" height=\"1080\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em><a href=\"https:\/\/newsroom.gmx.net\/2023\/02\/06\/online-nachrichten-2023\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" title=\"\">83 Prozent der 16- bis 29-J\u00e4hrigen meiden aktiv Nachrichten, weil sich die Inhalte negativ auf ihre Stimmung und ihr Weltbild auswirken<\/a>. Dass junge Menschen Nachrichten ablehnen, ist ein reales Problem f\u00fcr den Journalismus. Doch den Medienschaffenden allein die Schuld daf\u00fcr zu geben, funktioniert nicht, denn die Wahrheit ist laut Medienpsychologin Ulrike Schwertberger eine andere. Das Stichwort: Medienhygiene.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Schlechte Nachrichten sind allt\u00e4glich \u2013 und f\u00fchlen sich durch Krisen wie die Corona-Pandemie, den Ukraine-Krieg oder den Klimawandel immer n\u00e4her und immer bedrohlicher an. <a href=\"https:\/\/www.tui-stiftung.de\/unsere-projekte\/junges-europa-die-jugendstudie-der-tui-stiftung\/jugendstudie-2023\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" title=\"\">52 Prozent der 16- bis 29-J\u00e4hrigen in mehreren L\u00e4ndern Europas denken, dass es ihnen in ihrem Leben schlechter gehen wird als ihren Eltern<\/a>. Die Folge: \u201eDie Menschen verzichten auf Nachrichten. Sie w\u00fcrden am liebsten gar keine Informationen mehr erhalten, um ihre \u00dcberforderung und die negativen Emotionen, die sie durch den st\u00e4ndigen Informationsfluss \u00fcber Krisen durchmachen, vermeiden zu k\u00f6nnen\u201c, erkl\u00e4rt Ulrike Schwertberger.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/juk.hmkw.de\/perspektive-journalismus\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2023\/07\/Bildschirmfoto-2023-07-14-um-10.56.35-1024x769.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-5230\" width=\"645\" height=\"484\" srcset=\"https:\/\/juk.hmkw.de\/perspektive-journalismus\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2023\/07\/Bildschirmfoto-2023-07-14-um-10.56.35-1024x769.png 1024w, https:\/\/juk.hmkw.de\/perspektive-journalismus\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2023\/07\/Bildschirmfoto-2023-07-14-um-10.56.35-300x225.png 300w, https:\/\/juk.hmkw.de\/perspektive-journalismus\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2023\/07\/Bildschirmfoto-2023-07-14-um-10.56.35-768x577.png 768w, https:\/\/juk.hmkw.de\/perspektive-journalismus\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2023\/07\/Bildschirmfoto-2023-07-14-um-10.56.35-200x150.png 200w, https:\/\/juk.hmkw.de\/perspektive-journalismus\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2023\/07\/Bildschirmfoto-2023-07-14-um-10.56.35.png 1526w\" sizes=\"(max-width: 645px) 100vw, 645px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h2>Doom-Scrolling: Zwanghafter Konsum negativer Nachrichten<\/h2>\n\n\n\n<p>Es gab schon immer Ungl\u00fccke, Krisen und Kriege, \u00fcber die berichtet wurde. Doch was es nicht schon immer gab, sind die sozialen Medien. Auf Instagram, Facebook, Twitter und Co. sind Informationen nicht nur immer und \u00fcberall vom Smartphone aus abrufbar \u2013 sie sind oft auch ungefiltert und unsachlich, da jede:r Nutzer:in die M\u00f6glichkeit zur Ver\u00f6ffentlichung von Inhalten hat. \u201eUm m\u00f6glichst viele Informationen zu erhalten, die Nachrichtenlage st\u00e4ndig im Blick zu behalten und alle Aufmerksamkeit auf diese Informationen zu richten, reagieren Menschen beispielsweise mit Doom-Scrolling auf Zukunfts\u00e4ngste oder Unsicherheiten, die durch Nachrichten ausgel\u00f6st werden. Darunter versteht man den exzessiven und oft schon zwanghaften Konsum negativer Nachrichten, obwohl die Menschen genau wissen, dass ihnen das nicht guttut\u201c, so die Medienpsychologin. Dieses Ph\u00e4nomen l\u00e4sst sich laut der Expertin, zumindest zum Teil, evolution\u00e4r begr\u00fcnden. Fr\u00fcher sicherten Informationen \u00fcber m\u00f6gliche Gefahren, wie beispielsweise ein Fressfeind in unmittelbarer N\u00e4he, das \u00dcberleben des Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Unterschied: Fr\u00fcher hatten die Menschen kein Internet und somit keinen dauerhaften Zugriff auf Informationen \u00fcber m\u00f6gliche Gefahren. Heutzutage f\u00fchrt die Flut an negativen Nachrichten, der sich Mediennutzende durch Doom-Scrolling aussetzen, schnell zu einem Zustand, in dem sie von zu vielen Informationen \u00fcberfordert sind. \u201eWir k\u00f6nnen Informationen in diesem ,Overload\u2018-Zustand nicht mehr gut verarbeiten. Vor allem junge Menschen, die sowieso schon viel Zeit am Smartphone verbringen, sind teils nicht mehr in der Lage, rationale Entscheidungen zu treffen und zum Beispiel beschwichtigende Argumente in Informationstexten aufzunehmen oder das Handy komplett wegzulegen.\u201c Laut einer <a href=\"https:\/\/digitale-resilienz.org\/publikationen\/digitale-resilienz-in-der-mediennutzung\/executive-summary\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" title=\"\">Studie des VOCER Instituts f\u00fcr Digitale Resilienz<\/a> erachtet es knapp die H\u00e4lfte der 14- bis 29-J\u00e4hrigen als sinnvoll, die digitale Medienzeit, vor allem in sozialen Medien, zu verringern. Die Umsetzung f\u00e4llt ihnen jedoch meist schwer. Aus Sicht der Medienpsychologin ist ein ,Information-Overload\u2018 \u00e4u\u00dferst problematisch: \u201eWenn sich trotz eines Gef\u00fchls der \u00dcberforderung weiter auf die negativen Informationen eines Ereignisses konzentriert wird, wird die \u00dcberforderung mit dem Informationsfluss und somit die negativen Emotionen st\u00e4rker. Das Ergebnis: News Avoidance und Angst.\u201c Und das zeigen auch die Zahlen: Mehr als 60 Prozent der 14- bis 29-J\u00e4hrigen gaben an, beim Scrollen durch Instagram negative Gef\u00fchle zu empfinden.<\/p>\n\n\n\n<h2>Vermeiden von beil\u00e4ufiger, exzessiver und zielloser Nutzung<\/h2>\n\n\n\n<p>Wer bemerkt, dass er w\u00e4hrend oder nach dem Medienkonsum immer wieder \u00fcberfordert, gestresst und schlecht gestimmt ist, sollte sich zun\u00e4chst einmal bewusst machen: Jede Mediennutzung verbraucht kognitive Ressourcen und je mehr wir davon verbrauchen, desto schwieriger wird es, mit den Informationen, die wir durch die Mediennutzung erhalten, umzugehen. Nachrichten beeinflussen also die Stimmung. Um die psychische Widerstandskraft bei der Mediennutzung zu erh\u00f6hen, ergibt es laut Ulrike Schwertberger Sinn, den Nachrichtenkonsum zu regulieren und sich bewusst Zeit zum Informieren zu nehmen. Hilfreich sind dabei beispielsweise festgelegte Zeitfenster am Tag, das Deaktivieren von Push-Benachrichtigungen oder die Nutzung von Tracking-Apps. Es geht dabei voranging um bewussten Medienkonsum und das Vermeiden von beil\u00e4ufiger, exzessiver und zielloser Nutzung. \u00dcberfordert auch regulierter Konsum, setzt Ulrike Schwertberger auf eines: \u201eSmartphone weg, Laptop zuklappen und Fernseher aus und das machen, was guttut und positive Gedanken und Gef\u00fchle freisetzt. Morgen ist auch noch ein Tag, an dem man sich informieren kann. Und \u00fcbermorgen auch.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h2>Schlechte Nachrichten in Vollzeit: Wie geht man als News-Redakteurin mit dieser Belastung um?<\/h2>\n\n\n\n<p>Liesa W\u00f6lm schreibt seit vier Jahren als News-Redakteurin f\u00fcr <em>t-online<\/em>. In ihrem Arbeitsalltag besch\u00e4ftigt sich die 28-J\u00e4hrige fast durchgehend mit Krieg, Ungl\u00fcck und Ungerechtigkeit. Die Leser:innen ihrer Artikel k\u00f6nnen selbst entscheiden, wie oft und wie viel sie sich mit belastenden Themen besch\u00e4ftigen m\u00f6chten. Das kann Liesa aufgrund ihres Berufs nicht \u2013 bei schrecklichen Ereignissen muss sie, wie bei allen wichtigen Vorf\u00e4llen, so schnell wie m\u00f6glich recherchieren und berichten. Wie sie mit der negativen Nachrichtenflut umgeht und was sie tut, wenn es mal besonders heftig ist \u2013 das hat sie uns im Interview erz\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<div class=\"ast-oembed-container \" style=\"height: 100%;\"><iframe loading=\"lazy\" title=\"Schlechte Nachrichten im Job\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/EdPb4RHkHIk?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Welche Verantwortung der Journalismus bez\u00fcglich Nachrichtenm\u00fcdigkeit hat, hat Ranty Islam <a href=\"https:\/\/juk.hmkw.de\/perspektive-journalismus\/nachrichtenmuedigkeit-sind-die-medienschaffenden-schuld\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" title=\"\">hier<\/a> im Interview erz\u00e4hlt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>83 Prozent der 16- bis 29-J\u00e4hrigen meiden aktiv Nachrichten, weil sich die Inhalte negativ auf ihre Stimmung und ihr Weltbild auswirken. 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