{"id":399,"date":"2022-06-27T18:13:44","date_gmt":"2022-06-27T16:13:44","guid":{"rendered":"https:\/\/juk.hmkw.de\/future-of-journalism\/?p=399"},"modified":"2023-06-23T12:12:22","modified_gmt":"2023-06-23T10:12:22","slug":"wer-bezahlt-den-journalismus-der-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/juk.hmkw.de\/perspektive-journalismus\/wer-bezahlt-den-journalismus-der-zukunft\/","title":{"rendered":"\u201eMoney makes the world go round\u201d \u2013 Das Global Media Forum 2022 und die gro\u00dfe Frage nach dem Geld"},"content":{"rendered":"\n<p><strong><em>Meta, Twitter und Google \u2013 sie alle haben mit ihrem explosionsartigen Wachstum den Journalismus-Markt auf den Kopf gestellt. Dieser Wandel hat erhebliche Auswirkungen auf die Finanzierung der verschiedensten journalistischen Angebote. Im Rahmen des Global Media Forums 2022 fand deshalb eine eigene Diskussionsrunde, unter dem Titel \u201eMoney makes the world go round\u201c, statt.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch wei\u00df, dass das Wort in diesem Raum sind sonderlich beliebt ist, aber wir m\u00fcssen anfangen Nachrichteninhalte mehr als Produkt zu sehen.\u201c Gerrit Rabenstein traut sich etwas. Ein ganzer Plenarsaal voller Journalisten und er spricht davon journalistische Inhalte zuk\u00fcnftig aus einer eher kapitalistischen Perspektive zu betrachten? Gro\u00dfe Stille herrscht im Saal. Es scheint mir fast so, als ob das Stirnrunzeln vieler meiner Kollegen greifbar ist. Die Ausgangsfrage war doch noch eine g\u00e4nzlich andere gewesen. Schnell ergreift die Moderatorin Edith Kimani wieder das Wort.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Podium ist dabei heute sinnvoll besetzt worden. Neben Gerrit Rabenstein, dem Leiter der News-Partnerschaften von Google in Deutschland, befinden sich auch noch Thomas Owen Ripley, stellvertretende Minister f\u00fcr kulturelle Angelegenheiten und Medien in Canada, und Dr. Njoki Chege, Leiterin des Innovation Center f\u00fcr Medien an der AGA Khan University in Kenia, mit auf dem Podium. Einer der f\u00fchrenden Mitarbeiter von Google, ein Politiker und eine Medienforscherin &#8211; personell sind also alle Voraussetzungen getroffen worden, um f\u00fcr eine spannende Diskussion zu sorgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch was ist dabei eigentlich die grundlegende Problematik? Moderatorin Edith Kimani fasst sie in ihrer ersten Frage wie folgt zusammen: \u201eGibt es im digitalen Internetzeitalter \u00fcberhaupt noch Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr gut produzierten Journalismus?\u201c Ohne Wertsch\u00e4tzung, keine Einnahmen \u2013 so viel scheint vorab schonmal klar zu sein. Eine wichtige Rolle spielt immer wieder der Reuters Media Report 2022. Dessen Ergebnisse fallen n\u00e4mlich ern\u00fcchternd aus \u2013 grade in Deutschland. Das Interesse an Nachrichten ist langfristig betrachtet tendenziell r\u00fcckl\u00e4ufig. Bei der j\u00fcngeren Generation geht es noch einen Schritt weiter. Jeder zehnte Onliner im Alter ab 18 Jahren versucht oftmals bewusst, Nachrichten zu vermeiden, 65 Prozent zu mindestens gelegentlich. So kann es nicht verwundern, dass die Journalismus Branche der Gegenwart Probleme bei der Geldakquise aufweist.<\/p>\n\n\n\n<p>Thomas Owen Ripley sieht in dieser schlechten Ausgangslage, aber gleichzeitig auch eine gro\u00dfe M\u00f6glichkeit. \u201eEs ist eine der gr\u00f6\u00dften Aufgaben unserer Zeit den Menschen zu verstehen zu geben, dass Journalismus kostet.\u201c, sagt er, w\u00e4hrend er weitergehend \u00fcber die Disruption spricht, die den Journalismus Markt in den letzten Jahren heimgesucht hat. Auf der einen Seite sind da die R\u00fcckg\u00e4nge der Werbeeinahmen zu nennen. Die Suchmaschinen und sozialen Netzwerke, liefern mittlerweile einfach zielgenauere M\u00f6glichkeiten Werbung zu platzieren. &nbsp;Auf der anderen Seite steht der digitale Strukturwandel, der journalistischen Printmedien genauso zusetzt wie dem Fernsehen. Daraus schlussfolgert Ripley die dringende Notwendigkeit sich \u00fcber neue journalistische Gesch\u00e4ftsmodelle Gedanken zu machen. Von Seiten der Politik w\u00fcrde es dabei haupts\u00e4chlich darum gehen, gezielt privatwirtschaftliche und innovative Modelle zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bedeutung der \u00f6ffentlich-rechtlichen Sender muss dabei aber auch immer wieder betont werden. Dr. Njoki Chege aus Kenia wei\u00df, wovon sie spricht. In ihrer Heimat, in Ostafrika, gibt es keinen \u00f6ffentlich-rechtlichen Journalismus. Die Folgen sind teils dramatisch. Dr. Chege dr\u00fcckt es selbst wie folgt aus: \u201eDer Schrott ist f\u00fcr alle, w\u00e4hrend der gute Journalismus kostet.\u201c Daraus entstehe eine riesige \u201eWissensl\u00fccke\u201c innerhalb der Bev\u00f6lkerung. Ein Zustand der in Deutschland bereits erkennbar ist. Verschiedene Gesellschaftsgruppen, die einen qualitativ unterschiedlichen Zugang zu Informationen haben, sind ein N\u00e4hrboden f\u00fcr eine wachsende Polarisierung. Dauert dieser Zustand zu lange an, kann er das demokratische System, in dem wir leben, ins Wanken bringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ist es deshalb automatisch die Verantwortung von sozialen Netzwerken und digitalen Suchmaschinen Qualit\u00e4tsjournalismus zu f\u00f6rdern? Immerhin verwenden die meisten erwachsenen Onliner in Deutschland das Internet als Hauptquelle f\u00fcr ihre Nachrichten. Das sagt zu mindestens der Reuters Digital News Report. Mit 68 Prozent Reichweite hat sich das Internet mittlerweile vor das Fernsehen mit 65 Prozent geschoben. Gerrit Rabenstein nimmt diese Verantwortung so noch nicht wahr. F\u00fcr Google ist es einzig und allein entscheidend welche Beitr\u00e4ge den meisten Traffic erzeugen. Umso mehr Aufrufzahlen, Likes und Shares ein Beitrag verursacht, um so prominenter wird er pr\u00e4sentiert. Generell muss man die Bedeutung von Journalismus f\u00fcr die gr\u00f6\u00dfte Internet-Suchmaschine der Welt auch relativieren. Lediglich 2% aller Suchanfragen haben \u00fcberhaupt einen journalistischen Bezug.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man es genau betrachtet, stehen die M\u00f6glichkeiten f\u00fcr neue aufstrebende Gesch\u00e4ftsmodelle im Journalismus aber so gut wie lange nicht mehr. Der bestehende Markt befindet sich in einer Wandlungsphase und sowohl die Suchmaschinen als auch die sozialen Netzwerke erm\u00f6glichen es bei vergleichsweise niedrigen Kosten seine Zielgruppe sehr genau anzuvisieren. Ein gutes Beispiel wie das journalistische Gesch\u00e4ftsmodell der Zukunft dabei aussehen k\u00f6nnte, liefert der Radio- und Audiomarkt. Audiost\u00fccke und Podcasts schaffen es mittlerweile eine gro\u00dfe Anzahl von unterschiedlichen Menschen anzusprechen. Die erfolgreichen Audio-Formate bedienen dabei oft eine spezifische Nische. Eine Taktik, die zuk\u00fcnftig auch f\u00fcr digitale Text- und Bewegtbildmedien relevant sein wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn die traditionellen Nachrichtenanbieter weiterhin den Markt dominieren werden. Auch kleineren und privaten Modellen wird, wenn sie auf eine feste Nische setzen, durch den digitalen Wandel eine gro\u00dfe M\u00f6glichkeit er\u00f6ffnet. In der Verantwortung stehen dabei sowohl die Big Tech Unternehmen wie Meta, Twitter und Google, als auch die Politik. Es m\u00fcssen konkrete F\u00f6rderungsma\u00dfnahmen beschlossen werden, um Gr\u00fcndern von journalistischen Unternehmungen eine Perspektive darzulegen. Ein wichtiger Punkt f\u00fcr die Gr\u00fcnder ist es auf der anderen Seite \u201eanzufangen Nachrichteninhalte mehr als Produkt zu sehen.\u201c. Ganz wie Gerrit Rabenstein es vorausgesagt hat.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-container-1 is-horizontal is-content-justification-center wp-block-buttons\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<div class=\"ast-oembed-container \" style=\"height: 100%;\"><iframe loading=\"lazy\" title=\"Global Media Forum 2022: Interview mit Ellen Heinrichs\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/mhZopZVC0yg?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/div><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meta, Twitter und Google \u2013 sie alle haben mit ihrem explosionsartigen Wachstum den Journalismus-Markt auf den Kopf gestellt. 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