{"id":378,"date":"2022-06-27T18:00:11","date_gmt":"2022-06-27T16:00:11","guid":{"rendered":"https:\/\/juk.hmkw.de\/future-of-journalism\/?p=378"},"modified":"2023-06-23T12:12:12","modified_gmt":"2023-06-23T10:12:12","slug":"fact-checking-das-wichtigste-tool-fur-den-journalismus-der-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/juk.hmkw.de\/perspektive-journalismus\/fact-checking-das-wichtigste-tool-fur-den-journalismus-der-zukunft\/","title":{"rendered":"Fact-Checking: Das wichtigste Tool f\u00fcr den Journalismus der Zukunft?"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Fact-Checking ist ein Begriff, der im Journalismus zunehmend an Bedeutung gewinnt. Grund daf\u00fcr ist insbesondere die Digitalisierung, die das Verbreiten von Fake News und Hassrede in sozialen Medien innerhalb von Sekunden erm\u00f6glicht. Umso wichtiger ist es, dass Journalist*innen gegen die verbreiteten Falschinformationen vorgehen. Doch obwohl Fact-Checking einen immer h\u00f6heren Wert in der Journalistenwelt einnimmt, ist vielen Menschen noch nicht klar, was genau eigentlich hinter dem Begriff steckt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<div class=\"ast-oembed-container \" style=\"height: 100%;\"><iframe loading=\"lazy\" title=\"Fact-Checking: Das wichtigste Tool f\u00fcr den Journalismus der Zukunft?\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/fM7If9LXaeU?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-text-color has-css-opacity has-background is-style-wide\" style=\"background-color:#4200c1;color:#4200c1\" \/>\n\n\n\n<p><strong>Correctiv, Volksverpetzer, Faktenfuchs \u2013 Verschiedene Faktenchecker im \u00dcberblick<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Fr\u00fcher hat ein\/e Faktenchecker*in innerhalb einer Redaktion gearbeitet und Artikel auf die Richtigkeit ihrer Inhalte \u00fcberpr\u00fcft. Heute gibt es daf\u00fcr ganze Recherche-Netzwerke und -Zentren. Zahlreiche, vor allem \u00fcberregionale Medien lassen Fakten, Zitate und andere Angaben noch einmal \u00fcberpr\u00fcfen. Im Folgenden wollen wir euch drei Fact-Checker n\u00e4her vorstellen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das <em>Correctiv<\/em> &#8211; Recherchen f\u00fcr die Gesellschaft<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das <em>Correctiv<\/em> ist eines der gr\u00f6\u00dften und bekanntesten Fact-Checking-Netzwerke in Deutschland. Au\u00dferdem bezeichnet es sich als \u201edas erste gemeinn\u00fctzige Recherchezentrum im deutschsprachigen Raum\u201c. Mittlerweile z\u00e4hlen mehr als 60 Mitarbeitende zum Team und es wurde eine eigene Nachwuchsredaktion aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n<p>David Schraven gr\u00fcndete das <em>Correctiv<\/em> 2014, nachdem er zuvor sieben Jahre lang Vorstandsmitglied des <em>Netzwerks Recherche<\/em> gewesen war, einer Journalistenvereinigung, die sich f\u00fcr Informationsfreiheit, investigativen Journalismus und die Vermittlung von Recherchetechniken einsetzt. Seine Vorstandst\u00e4tigkeit legte Schraven im September 2014, ein halbes Jahr nach der Gr\u00fcndung des <em>Correctivs<\/em>, nieder. Seitdem hat das Rechereche-B\u00fcro \u00fcber 30 Preise f\u00fcr seine journalistische Arbeit erhalten, dazu z\u00e4hlen unter anderem der <em>Grimme Online Award<\/em> und der <em>Otto Brenner Preis<\/em> f\u00fcr kritischen Journalismus. Der Hauptsitz des <em>Correctivs<\/em> liegt in Essen, eine weitere Redaktion gibt es in Berlin.<\/p>\n\n\n\n<p>Es handelt sich bei dem <em>Correctiv<\/em> um eine eigenst\u00e4ndige Redaktion, die sich ausschlie\u00dflich mit den verschiedenen Variationen von Fact-Checking besch\u00e4ftigt. Nach eigener Aussage steht das Recherchezentrum f\u00fcr investigativen Journalismus.<\/p>\n\n\n\n<p>Das <em>Correctiv<\/em> legt Wert auf seine Unabh\u00e4ngigkeit und wird durch Spenden finanziert. Mitarbeiter*innen recherchieren tagt\u00e4glich und kl\u00e4ren \u00fcber die Verbreitung von Fake-News oder in falsche Kontexte gebrachte Publikationen auf. Insbesondere mit seinen Recherchen zum CumEx-Steuerskandal und zur AfD-Spendenaff\u00e4re erlangte das Netzwerk einen hohen Bekanntheitsgrad. Das <em>Correctiv<\/em> sieht den Bildungsauftrag der B\u00fcrger*innen als seine Hauptaufgabe.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der <em>Volksverpetzer<\/em> \u2013 Fact-Checking mit einer Prise Humor<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Auch der <em>Volksverpetzer<\/em> hat mittlerweile einen gewissen Bekanntheitsgrad in Deutschland erlangt. Genau wie das <em>Correctiv<\/em> wurde er 2014 ins Leben gerufen, zu diesem Zeitpunkt handelte es sich aber lediglich um einen regionalen Blog f\u00fcr den Raum Augsburg, der sich mit der Augsburger Politik befasste. Der <em>Volksverpetzer<\/em> besteht im Vergleich zum <em>Correctiv<\/em> aus einem eher kleinen Team und setzt dabei vor allem auf ehrenamtliches Engagement seiner rund 20 Mitarbeitenden. Lediglich Chefredakteur und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Thomas Laschyk ist fester Vollzeitangestellter im Team des <em>Volksverpetzers<\/em>, zudem arbeiten einige Redakteur*innen in Teilzeit oder als Mini-Jobber f\u00fcr die Initiative. Mit Gordana Rammert kommt ab 2022 eine zweite Kraft in Vollzeit hinzu, sie ersetzt Andreas Bergholz, der das Team Ende Juni 2022 verlassen hat. Der <em>Volksverpetzer<\/em> besitzt im Gegensatz zum <em>Correctiv<\/em> auch keine eigene Redaktion oder B\u00fcror\u00e4ume, sondern arbeitet ausschlie\u00dflich im Home-Office.<\/p>\n\n\n\n<p>Der <em>Volksverpetzer<\/em> z\u00e4hlt als Blog und hat seit der Gr\u00fcndung 2014 bereits einige Entwicklungen hinter sich. Erst seit Herbst 2015 besch\u00e4ftigt sich das Recherche-Netzwerk mit dem Thema Fake News und Hetze. Der Name \u201eVolksverpetzer\u201c ein Wortspiel mit dem Begriff \u201eVolksverhetzer\u201c. Volksverhetzung ist in Deutschland ein Vergehen nach \u00a7 130 des Strafgesetzbuches und greift, wenn der \u00f6ffentliche Frieden und die Menschenw\u00fcrde gef\u00e4hrdet sind. Volksverhetzer stehen im Fokus des Blogs, der \u00fcber deren Strategien, Fake News und L\u00fcgen aufkl\u00e4rt. Damit betreibt der <em>Volksverpetzer<\/em> nicht nur Fact-Checking im Sinne der Fake News-Entlarvung oder durch Richtigstellung von Kontexten, sondern kl\u00e4rt auch \u00fcber bestimmte Narrative auf. 2016 und 2017 war der <em>Volksverpetzer<\/em> als Kolumne Teil des \u00f6sterreichischen Aufkl\u00e4rungs- und Fact-Checking-Vereins <em>Mimikama<\/em>, ehe er 2018 wieder eigenst\u00e4ndig wurde und sich in seine aktuelle Form entwickelte.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter anderem wurde der <em>Volksverpetzer<\/em> als Blogger*in des Jahres 2019 ausgezeichnet und gewann 2020 den <em>Augsburger Medienpreis<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Redaktionsteam sticht vor allem durch die Aufbereitung seiner Artikel heraus. Die Redakteur*innen sprechen ihre Leser*innen ganz gezielt an und fallen dar\u00fcber hinaus mit einer sehr umgangssprachlichen und zum Teil \u201efrechen\u201c Schreibweise auf.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der <em>Faktenfuchs<\/em> \u2013 Fact-Checking beim Bayerischen Rundfunk<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein Beispiel f\u00fcr \u00f6ffentlich-rechtliches Fact-Checking ist der <em>Faktenfuchs<\/em>. Dieser ist Bestandteil der Redaktion des Bayerischen Rundfunks und im Gegensatz zum <em>Correctiv<\/em> oder zum <em>Volksverpetzer<\/em> keine eigenst\u00e4ndige und unabh\u00e4ngige Redaktion. Der <em>Faktenfuchs<\/em> geh\u00f6rt zum plattform\u00fcbergreifenden Nachrichtenportal und H\u00f6rfunkprogramm <em>BR24<\/em> des Bayerischen Rundfunks, wurde 2017 gegr\u00fcndet und finanziert sich als Teil des Bayrischen Rundfunks durch den Rundfunkbeitrag. 2018 wurde er erstmals im Rahmen der Landtagswahl in gr\u00f6\u00dferem Umfang eingesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der <em>Faktenfuchs<\/em> befasst sich wie auch die zwei zuvor vorgestellten Faktenchecker mit dem Aufdecken von Falschinformationen im Netz. Dabei werden vor allem die sozialen Medien und die Kommentarspalten zu Beitr\u00e4gen auf der Suche nach Themen durchforstet. Hierbei wird mit den Social-Media-Redakteuren zusammengearbeitet, die sich mit den Kommentaren der Nutzer*innen besch\u00e4ftigen. Mittels einer Software werden zudem zahlreiche Quellen im Internet gescannt, die auf Twitter, Facebook, Instagram oder auch Youtube \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich sind. Neben aktuellen Geschehnissen und m\u00f6glichen Fake News oder diskussionsw\u00fcrdigen Themen greift der <em>Faktenfuchs<\/em> auch immer wieder auftretende Fragen, sogenannte \u201eEvergreens\u201c auf und kl\u00e4rt dar\u00fcber auf. Beispiele hierf\u00fcr k\u00f6nnen sein: \u201eIst Fliegen billiger als Zugfahren?\u201c Oder \u201eIst Mais besser f\u00fcrs Klima als Wald?\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Geleitet wird das elfk\u00f6pfige Redaktionsteam von der Diplom-Journalistin Janina L\u00fcckoff. Au\u00dferdem wird das Team durch die Zusammenarbeit mit Korrespondent*innen aus dem ARD-Netzwerk sowie Journalist*innen aus Fachredaktionen des Bayerischen Rundfunks bisweilen f\u00fcr einzelne Artikel um externe Kr\u00e4fte erweitert.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-text-color has-css-opacity has-background is-style-wide\" style=\"background-color:#4200c1;color:#4200c1\" \/>\n\n\n\n<p style=\"font-size:30px\"><strong>Fact-Checking veranschaulicht &#8211; Drei Fallbeispiele<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>In unserem Videobeitrag wurde bereits mit den gr\u00f6\u00dften Irrt\u00fcmern \u00fcber den Begriff Fact-Checking aufger\u00e4umt. Um die T\u00e4tigkeit zu veranschaulichen, werden hier drei konkrete Beispiele herausgearbeitet, die den Sinn und Zweck sowie die Vorgehensweise von Fact-Checking veranschaulichen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der Begriff \u201eFact-Checking\u201c ist auf dem Vormarsch, doch viele Menschen wirken \u00fcberfordert, wenn eine genauere Definition verlangt wird. Dabei hilft es schon enorm, wenn man den Begriff ins Deutsche \u00fcbersetzt. Fact-Checking bedeutet nichts anderes als Faktencheck, also das \u00dcberpr\u00fcfen von Fakten. Trotzdem ist es zu einfach, Fact-Checking nur auf die \u00dcberpr\u00fcfung von Fakten zu reduzieren. Fact-Checking hei\u00dft auch, Fake News aufzudecken, Aussagen und Sachverhalte in den richtigen Kontext zu bringen und dar\u00fcber hinaus \u00fcber bestimmte Themen aufzukl\u00e4ren \u2013 auch ohne dass vorher eine Falschmeldung dazu in Umlauf gebracht wurde.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Bewertungsskala vom <em>Correctiv<\/em> \u2013 Fact-Checking ist nicht gleich Fact-Checking<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie vielseitig Fact-Checking mittlerweile sein kann, zeigt das Recherchezentrum <em>Correctiv<\/em> eindrucksvoll. Das <em>Correctiv<\/em> betreibt vor allem investigativen Journalismus und beschreibt seine Arbeit selbst als das Aufdecken \u201esystematischer Missst\u00e4nde, von Korruption und unethischem Verhalten\u201c. F\u00fcr mehr Transparenz versieht die Redaktion der Faktenchecker jeden seiner Artikel mit einer Bewertung, die zeigt, in welche Rubrik des Fact-Checkings der jeweilige Sachverhalt einzuordnen ist. Die Skala weist elf Kategorien auf, was zeigt: Fact-Checking ist nicht gleich Fact-Checking und kann auch nicht auf eine einzige T\u00e4tigkeit reduziert werden. Von der blo\u00dfen Verifizierung \u00fcber falschen oder fehlenden Kontext bis hin zu falschen oder frei erfundenen Geschichten ist alles dabei.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img src=\"https:\/\/juk.hmkw.de\/future-of-journalism\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2022\/07\/skala-1412x772-1-1024x560.jpg\" alt=\"\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Factencheck-Bewertungsskala: Das Correctiv unterteilt Fact-Checking in elf Kategorien \u00aecorrectiv.org<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fallbeispiel 1:<\/strong><br><strong>Will Luisa Neubauer wirklich eine Pipeline in die Luft sprengen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im ersten Beispiel kommt der Fact-Checking-Blog <em>Volksverpetzer<\/em> zum Einsatz. Er kl\u00e4rt \u00fcber eine Aussage Luisa Neubauers auf, die von diversen Medien aus dem eigentlichen Kontext gerissen und in einen neuen Zusammenhang gestellt wurde. Vor allem die <em>Bild-Zeitung<\/em> steht hier im Fokus. Nach der vorher gezeigten Bewertungsskala des <em>Correctivs<\/em> w\u00e4re dieser Faktencheck in der Einordnung \u201eFalscher Kontext\u201c zu finden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die 26-j\u00e4hrige Luisa Neubauer z\u00e4hlt zu den bekanntesten Klimaschutzaktivistinnen in Deutschland. Mitte Juni ver\u00f6ffentlicht Neubauer eine Instagram-Story, die sich gegen die EACOP-Pipeline (East African Crude Oil Pipeline) richtet. Sie verk\u00fcndet, dass man den Bau der Pipeline in Afrika stoppen wolle und spricht unter anderem davon, eine Pipeline in die Luft zu jagen. Fakt ist jedoch: Neubauer bezog sich dabei auf ein Buch von Andreas Malm, das den Titel tr\u00e4gt \u201eWie man eine Pipeline in die Luft jagt\u201c. Die <em>Bild-Zeitung<\/em> nimmt die Aussage Neubauers auf, dass die Aktivist*innen um die 26-J\u00e4hrige eine Pipeline in die Luft jagen wollen \u2013 und setzt sie in einen v\u00f6llig neuen Kontext. Der Artikel l\u00e4uft unter der Headline: \u201eLuisa Neubauer irritiert mit Aussage &#8211; &#8218;Wir planen, eine Pipeline in die Luft zu jagen&#8217;\u201c. Im Artikel selbst spricht die <em>Bild-Zeitung<\/em> von einem \u201eTerror-Witz\u201c und einer \u201ekrassen Entgleisung\u201c. Das Thema wurde von diversen anderen Medien aufgenommen, die in eine \u00e4hnliche Kerbe schlugen. Unter anderem sprach das Redaktionsnetzwerk Deutschland von einem \u201eWitz \u00fcber \u00d6koterrorismus\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Der <em>Volksverpetzer<\/em> weist explizit darauf hin, dass neben dem eindeutigen Bezug auf das Buch, der als Scherz deutlich gemacht wurde, eine noch nicht gebaute Pipeline nicht in die Luft gesprengt werden kann. Stattdessen wurde das von Neubauer erkl\u00e4rte Ziel hervorgehoben, den Bau der f\u00fcr 2025 geplanten Pipeline zu stoppen. Es geht also darum, dass die angeblich in die Luft zu sprengende Pipeline gar nicht erst gebaut wird. Zudem zeigt das Netzwerk die entscheidenden Teile der Instagram-Story auf seiner Seite und stellt somit den Kontext wieder her, aus dem der Satz Neubauers gerissen wurde. Unmittelbar nach ihrem Bezug auf den Buchtitel bekr\u00e4ftigt die Aktivistin in ihrer Story noch einmal, dass es um die Verhinderung einer geplanten Pipeline geht und sonst nichts.<\/p>\n\n\n\n<p>Der <em>Volksverpetzer<\/em> geht aber noch einen Schritt weiter und erkl\u00e4rt abschlie\u00dfend den Sinn des in einen falschen Kontext gebrachten Zitats. Wortw\u00f6rtlich schreibt Redakteur Thomas Laschyk: \u201eSelbst auf den Einwand, dass es nicht w\u00f6rtlich gemeint ist und dass es nicht mal w\u00f6rtlich gemeint sein kann, wird nur entgegnet: \u201eSie hat es aber gesagt\u201c. Weil man sich ideologisch verbissen an diese erste, von der BILD gewollten, falschen Darstellung klammern m\u00f6chte. Ironie oder Kontext wollen sie pl\u00f6tzlich nicht mehr wahrhaben. Und glauben pl\u00f6tzlich felsenfest der irref\u00fchrenden Darstellung eines Mediums, von dem sie genau wissen, dass es f\u00fcr seine Falschdarstellungen bekannt ist.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fallbeispiel 2:<\/strong><br><strong>Finanzierung der Waffenlieferungen an die Ukraine durch mehr Arbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein Beispiel aus der Kategorie einer frei erfundenen und in Umlauf gebrachten Geschichte ist die Story um die 42-Stunden-Woche und eine angebliche Aussage Robert Habecks. Der Gr\u00fcnen-Politiker soll gesagt haben, dass die 42-Stunden-Woche zur Finanzierung der Waffenlieferungen an die Ukraine diene und dies f\u00fcr \u201ejeden B\u00fcrger\u201c zumutbar w\u00e4re. Dieses Zitat ist jedoch frei erfunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das genaue Zitat lautet wie folgt: \u201eEs ist f\u00fcr jeden B\u00fcrger zumutbar, 42 Stunden in der Woche zu arbeiten, um die Waffenlieferungen in die Ukraine zu finanzieren\u201c. Die vermeintliche Aussage des Bundeswirtschaftsministers wurde Anfang Juni in den sozialen Netzwerken \u2013 vor allem \u00fcber Facebook und Twitter \u2013 verbreitet und vom <em>Correctiv<\/em> aufgearbeitet.<\/p>\n\n\n\n<p>Im ersten Schritt versuchte das Recherche-Netzwerk die Aussage via Google und im Anschluss \u00fcber die Online-Zitatdatenbank <em>Genios<\/em> zu finden. Beide Ans\u00e4tze blieben erfolglos. Auch mit englischen Schlagw\u00f6rtern lie\u00dfen sich keine Ergebnisse zu einem etwaigen Zitat finden. W\u00e4hrenddessen hatte die DPA ein Dementi vom Bundeswirtschaftsministerium erhalten, das klarstellt, dass Robert Habeck niemals eine solche Aussage get\u00e4tigt hat. Das <em>Correctiv<\/em> schlie\u00dft seine Recherche zu Robert Habeck und der 42-Stunden-Woche ab, indem es auf Medienberichte zu Siegfried Russwurm verweist. Er ist Pr\u00e4sident des Bundesverbands der Deutschen Industrie und hatte die Idee einer 42-Stunden-Woche in Umlauf gebracht \u2013 mit dem Hinweis auf den Fachkr\u00e4ftemangel in Deutschland und ohne Verbindung zu Waffenlieferungen in die Ukraine. Das in Umlauf gebrachte Zitat wurde somit vom <em>Correctiv<\/em> als \u201efrei erfunden\u201c bewertet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fallbeispiel 3:<\/strong><br><strong>Aufkl\u00e4ren \u00fcber rechtsextreme Narrative<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie bereits erw\u00e4hnt: Es muss bei Fact-Checking nicht zwingend um das Aufdecken von Fake News oder das Einordnen von Sachverhalten in den richtigen Kontext gehen. Es kann auch einfache Aufkl\u00e4rung dar\u00fcber sein, wie bestimmte Narrative funktionieren. Der Zweck ist eindeutig: Wer wei\u00df, mit welchen Tricks beispielsweise Verschw\u00f6rungsmythiker oder Rechtsextreme arbeiten, der ist eher in der Lage, diese zu durchschauen. Wer Narrative erkennt und durchschaut, der wird sich sehr wahrscheinlich nicht von ihnen \u00fcberzeugen lassen und beispielsweise die rechtsextreme Szene st\u00e4rken. Um die geht es im dritten Fallbeispiel. Der <em>Volksverpetzer<\/em> hat auf Instagram einen eigenen Beitrag zu rechtsextremen Narrativen ver\u00f6ffentlicht, der vollst\u00e4ndig im Rahmen solcher Aufkl\u00e4rung steht. Der Beitrag war eine Reaktion auf einen Artikel der <em>Welt,<\/em> der mit Transfeindlichkeit auf sich aufmerksam machte. Dort hei\u00dft es, dass der \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk Kinder \u201eindoktriniere\u201c. Als Beleg wird eine Folge der <em>Sendung mit der Maus<\/em> angef\u00fchrt, in der es um Trans-Menschen geht. Die Sendung w\u00fcrde zu einem Instrument der \u201eTrans Lobby\u201c. Der Volksverpetzer verweist auf die N\u00e4he zu rechtsextremen Narrativen, die die <em>Welt<\/em> mit diesem Artikel aufzeige.<\/p>\n\n\n\n<p>In den folgenden Slides wird anschlie\u00dfend von der Redakteurin Annika Brockschmidt n\u00e4her erl\u00e4utert, wie rechtsextreme Narrative funktionieren. Dabei wird das behandelte Thema aus dem <em>Welt<\/em>-Artikel aufgegriffen. Es wird herausgefiltert, wo der Beitrag rechte Kampfbegriffe aufweist, z.B. durch die Textstelle \u00fcber eine \u201ekleine Anzahl von Aktivist*innen, die mit ihrer &#8218;woken&#8216; Trans-Ideologie den \u00d6RR unterwandert.\u201c Im n\u00e4chsten Slide wird die Effektivit\u00e4t des Narrativs in der rechten Szene dargestellt. Hierbei geht es vor allem um zu gro\u00dfen Einfluss kleinerer Gruppen auf die Politik. Daraus resultiert die rechte Forderung nach rechtlichen Einschr\u00e4nkungen dieser Gruppen, die als Bedrohung dargestellt werden. Weiterhin geht Brockschmidt auf die Bildung eines radikalen Feindbilds ein, das durch diesen Artikel geschaffen wird. In diesem Fall wird der Vorgang der Transition als kinderleicht dargestellt und eine verschw\u00f6rungsmythische Erz\u00e4hlung von der m\u00e4chtigen Trans-Lobby hinzugef\u00fcgt. Damit spitzt man das Bild der bedrohlichen Gruppierung weiter zu. In dem Faktencheck dagegen wird darauf aufmerksam gemacht, dass eine Transition mit b\u00fcrokratischen, finanziellen und gesellschaftlichen H\u00fcrden einhergeht und alles andere als kinderleicht ist. Als weiteres Merkmal rechter Narrative weist der <em>Welt<\/em>-Artikel die Bezeichnung der \u201eIndoktrination der Medien\u201c auf, was \u00fcbersetzt so viel hei\u00dft wie \u201eL\u00fcgenpresse\u201c &#8211; ein von rechter Seite gepr\u00e4gter Begriff. Somit greift der Volksverpetzer nicht blo\u00df einen Artikel auf, sondern nutzt das Beispiel, um allgemein \u00fcber rechtsextreme Narrative aufzukl\u00e4ren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\ud83d\udd8a\ufe0f\ud83c\udfa5\ud83d\udcf7Fact-Checking ist ein Begriff, der im Journalismus zunehmend an Bedeutung gewinnt. Grund daf\u00fcr ist insbesondere die Digitalisierung, die das Verbreiten von Fake News und Hassrede in sozialen Medien innerhalb von Sekunden erm\u00f6glicht. Umso wichtiger ist es, dass Journalist*innen gegen die verbreiteten Falschinformationen vorgehen. 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