{"id":299,"date":"2022-06-27T17:33:50","date_gmt":"2022-06-27T15:33:50","guid":{"rendered":"https:\/\/juk.hmkw.de\/future-of-journalism\/?p=299"},"modified":"2023-06-23T12:10:42","modified_gmt":"2023-06-23T10:10:42","slug":"servicejournalismus-journalismus-zweiter-klasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/juk.hmkw.de\/perspektive-journalismus\/servicejournalismus-journalismus-zweiter-klasse\/","title":{"rendered":"Journalismus zweiter Klasse?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Das verstaubte Image des Servicejournalismus<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Servicejournalismus hat sich in den vergangenen Jahren zu einer der gefragtesten Journalismusformen entwickelt und ist popul\u00e4r wie nie.\u00a0Sich immer mehr an den Interessen des Publikums zu orientieren, ist im digitalen Zeitalter zu einer Notwendigkeit geworden &#8211; denn Servicebeitr\u00e4ge lassen die Kasse klingeln. Und trotzdem: Besonders angesehen ist der Servicejournalismus <\/em><em>unter seinen Kolleg*innen\u00a0<\/em><em>wie dem Politik- oder Nachrichtenjournalismus\u00a0<\/em><em>nicht, denn die sprechen ihm nach wie vor seine journalistische Qualit\u00e4t ab.\u00a0<a>Wieso das so ist und warum gerade ein Ressort im Servicejournalismus eine besondere Verantwortung tr\u00e4gt<\/a><\/em>:<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<div class=\"wp-container-3 wp-block-columns\">\n<div class=\"wp-container-1 wp-block-column\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<p>\u201eKann eine Spinne aus dem Staubsauger krabbeln?\u201c \u2013 so oder so \u00e4hnlich k\u00f6nnte eine Frage klingen, die garantiert schon einmal der eine oder die andere in die Suchleiste des eigenen Internetbrowsers getippt hat. Und nicht nur das, denn so gut wie jede*r hat schon einmal einen hilfreichen Beitrag online oder in der Zeitung gelesen, im Radio geh\u00f6rt oder im Fernsehen gesehen und dabei gar nicht bemerkt, dass es sich hier um Servicejournalismus handelt. Schlie\u00dflich verbinden die meisten mit Serviceartikeln noch immer \u00dcberschriften wie \u201eDas ultimative Mittel gegen Rotweinflecken\u201c oder \u201eZehn Tipps f\u00fcrs richtige Blondieren\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Und so hat der Servicejournalismus mit viel Kritik und noch mehr Vorurteilen zu k\u00e4mpfen. Denn auch unter Journalist*innen genie\u00dft er kein besonders hohes Ansehen und wird als journalistische Form mehr bel\u00e4chelt als beklatscht. Ihm wird nachgesagt, er rede den Leuten doch sowieso nur nach dem Mund. Aber weit gefehlt. Denn Serviceinhalte im Journalismus sind mehr als das.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-container-2 wp-block-column\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/juk.hmkw.de\/perspektive-journalismus\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2022\/08\/erik-mclean-aielvGxZB0g-unsplash-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2748\" width=\"729\" height=\"486\" srcset=\"https:\/\/juk.hmkw.de\/perspektive-journalismus\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2022\/08\/erik-mclean-aielvGxZB0g-unsplash-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/juk.hmkw.de\/perspektive-journalismus\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2022\/08\/erik-mclean-aielvGxZB0g-unsplash-300x200.jpg 300w, https:\/\/juk.hmkw.de\/perspektive-journalismus\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2022\/08\/erik-mclean-aielvGxZB0g-unsplash-768x512.jpg 768w, https:\/\/juk.hmkw.de\/perspektive-journalismus\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2022\/08\/erik-mclean-aielvGxZB0g-unsplash-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/juk.hmkw.de\/perspektive-journalismus\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2022\/08\/erik-mclean-aielvGxZB0g-unsplash-2048x1365.jpg 2048w, https:\/\/juk.hmkw.de\/perspektive-journalismus\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2022\/08\/erik-mclean-aielvGxZB0g-unsplash-360x240.jpg 360w, https:\/\/juk.hmkw.de\/perspektive-journalismus\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2022\/08\/erik-mclean-aielvGxZB0g-unsplash-600x400.jpg 600w, https:\/\/juk.hmkw.de\/perspektive-journalismus\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2022\/08\/erik-mclean-aielvGxZB0g-unsplash-800x533.jpg 800w, https:\/\/juk.hmkw.de\/perspektive-journalismus\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2022\/08\/erik-mclean-aielvGxZB0g-unsplash-200x133.jpg 200w\" sizes=\"(max-width: 729px) 100vw, 729px\" \/><figcaption><mark style=\"color:#4200c1\" class=\"has-inline-color\"><strong>Viele Journalist*innen betrachten den Servicejournalismus als Mitl\u00e4ufer in der Medienlandschaft.<\/strong><br>\u00a9Erik Mclean<\/mark><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p><strong><strong>Ein Journalismus, der begleitet&nbsp;<\/strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die meisten gr\u00f6\u00dferen Medienunternehmen haben ein ganzes Ratgeberressort, in dem genau solche serviceorientierten Themen angesiedelt sind \u2013 von Heim und Garten, \u00fcber Ern\u00e4hrungstipps, bis hin zu Wirtschaft oder Digitales ist alles mit dabei, was den oder die Verbraucher*in unmittelbar besch\u00e4ftigen oder interessieren k\u00f6nnte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Lydia Kl\u00f6ckner ist Redakteurin des Nachrichtenportals t-online und schreibt f\u00fcr den Ratgeberbereich \u201eGesundheit\u201c. Sie findet, die Kritik am Servicejournalismus ist alles andere als berechtigt: \u201eWenn man Journalismus als Teil des Wissensschatzes sieht, der Menschen zu m\u00fcndigen Entscheidungen in ihrem Alltag verhilft, dann w\u00fcrde ich sagen, dass Servicejournalismus da eine wichtige Rolle spielt.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Mit ihren Texten zu medizinischen Themen will sie ihren Leser*innen eine Orientierung bieten und dazu beitragen, dass sie ihre Erkrankung verstehen und erkennen, welche Behandlungswege es geben kann. Und nicht nur das. F\u00fcr die Journalistin hebt sich der Servicejournalismus vor allem dadurch ab, dass sie ihre Leser*innen auf eine Art und Weise begleitet, wie es sonst selten im Journalismus der Fall sei: \u201eWenn man eine Wirtschaftsnachricht schreibt, dann wei\u00df man danach: Das wird jetzt f\u00fcr die Leute wahrscheinlich ein Problem sein. Denn es ist halt eine Nachricht, die kannst du in die Welt hinausblasen und jeder wei\u00df, ich kriege hier jetzt einfach nur die n\u00fcchternen Nachrichten. Das k\u00f6nnen wir nicht so ohne Weiteres machen\u201c. Beim Schreiben ihrer Texte sei viel Empathie und Fingerspitzengef\u00fchl gefragt: \u201eMan gibt sich M\u00fche, die Wortwahl sensibel zu gestalten, aber man bleibt nat\u00fcrlich trotzdem bei der Wahrheit \u2013 man l\u00e4sst die Leute damit nicht allein\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong><strong>Viel Druck und noch mehr Verantwortung<\/strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Kl\u00f6ckner ist es deshalb ein zus\u00e4tzlicher Schritt, den sie bei ihrer Arbeit geht, wenn sie Verantwortung \u00fcbernimmt \u2013 sie nennt es ein sensibles Berichterstatten. Schlie\u00dflich habe sie immer das Bild im Kopf, dass eine Person, die ihren Artikel liest, diese Erkrankung auch wirklich hat: \u201eMan denkt sich immer, okay und was macht der jetzt mit dieser Information?\u201c Es sei also auch ein Druck, der auf ihr laste, denn ihre Leser*innen verlassen sich darauf, dass sie vertrauensw\u00fcrdige Informationen liefere. Zu viel Verantwortung d\u00fcrfe man dann aber doch nicht \u00fcbernehmen, findet die Redakteurin. Unter jedem ihrer Texte weist sie deshalb darauf hin, dass ihr Artikel keine \u00e4rztliche Beratung ersetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade, weil sie \u00fcber solche heiklen Themen schreibt, m\u00fcsse sie auch bei der Recherche besonders sorgf\u00e4ltig sein, so Kl\u00f6ckner. Und diese Sorgfalt hat einen Namen: evidenzbasiertes Arbeiten. Doch was hei\u00dft das genau? Ganz grob gesagt bedeutet es, dass ihre Quellen auf der Grundlage evidenzbasierter Medizin fu\u00dfen. Klar, Quellen bewusst auszuw\u00e4hlen und lieber einmal mehr zu checken als zu wenig, das ist in der Onlinewelt heutzutage fast jede*m ein Begriff. Aber bei evidenzbasiertem Arbeiten gehe es um mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>So f\u00fchre sie zum Beispiel so gut wie keine Interviews, sondern arbeite immer mit den Prim\u00e4rquellen. F\u00fcr die meisten Journalist*innen unvorstellbar, f\u00fcr Kl\u00f6ckner einfach nur logisch. \u201eWir vertrauen keinen Aussagen einzelner Personen und m\u00fcssen uns deshalb alles, was eine Person wissen k\u00f6nnte, selbst erschlie\u00dfen. Wir m\u00fcssen alle aktuellen Studien zu dem Thema zumindest einmal gesehen haben \u2013 im besten Fall gibt es aktuelle Leitlinien, ansonsten bedeutet es einfach eine intensivere Recherche und dass wir einsch\u00e4tzen k\u00f6nnen m\u00fcssen, was eine gute und was eine schlechte Studie ist\u201c, so Kl\u00f6ckner. Dass dann auch noch f\u00fcr einen Laien verst\u00e4ndlich r\u00fcberzubringen, sei ein echter Balanceakt \u2013 aber auch das, was ihr Ressort ganz klar auszeichne.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ressortrelevanz: \u201eGesundheit ist ein Trendthema&#8220;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dabei ist das Gesundheitsressort noch gar nicht so alteingesessen, wie viele vermuten. Erst vergangenes Jahr hat sich t-online in K\u00f6ln einen zweiten Redaktionssitz aufgebaut \u2013 mit vier Redakteurinnen, extra f\u00fcr den Bereich Gesundheit. Die \u00fcbrigen Gesundheitsredakteur*innen sitzen in der Hauptredaktion in Berlin. Von dort aus k\u00fcmmern sie sich um Aktuelles oder \u201eweichere\u201c Themen wie Fitness und Ern\u00e4hrung, erz\u00e4hlt Ina Fuhrmann, die f\u00fcr die Gesch\u00e4ftsentwicklung bei t-online zust\u00e4ndig ist. K\u00f6ln gehe da schon etwas tiefer in die Materie und sei deshalb so etwas wie die \u201eSpezialeinheit f\u00fcr Qualit\u00e4t\u201c, erkl\u00e4rt sie.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Warum kommt aber gerade dem Gesundheitsressort diese besondere Zuwendung zu? Als Medienunternehmen will t-online auch nachhaltigere St\u00fccke produzieren. Solche Artikel gehen tiefer in die Materie und sind deshalb langlebiger. Zum Beispiel in einem Sommerloch, wenn aktuelle Nachrichten eher rar sind, baue man sich so ein zweites wirtschaftliches Standbein auf. Im Bereich Gesundheit sei der Markt besonders attraktiv. Auch die Corona-Pandemie hat das Interesse am Thema gesteigert: \u201eDie Leute besch\u00e4ftigen sich wieder viel mehr mit ihrem K\u00f6rper. Gesundheit ist ein Trendthema\u201c, so Fuhrmann. Gerade durch Long Covid seien die k\u00f6rperliche und mentale Gesundheit wieder in den Fokus ger\u00fcckt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das best\u00e4tigt auch eine Studie des Unternehmens \u201eClark\u201c. So gaben knapp zwei Drittel der befragten Studienteilnehmer*innen an, dass ihre Gesundheit seit der Corona-Pandemie einen h\u00f6heren Stellenwert als zuvor einnehme. Aber auch abseits von Corona bestehe ein deutlicher Trend zu einem h\u00f6heren Gesundheitsbewusstsein, findet Ina Fuhrmann. \u201eFr\u00fcher bin ich zum Arzt gegangen und der hat mir genau gesagt, was ich habe. Und ich habe das geschluckt und es vielleicht gar nicht verstanden. Der Patient heute ist ja viel m\u00fcndiger, er will sich selbst informieren\u201c, erkl\u00e4rt sie.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-container-6 wp-block-columns\">\n<div class=\"wp-container-4 wp-block-column\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/juk.hmkw.de\/perspektive-journalismus\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2022\/09\/thomas-lefebvre-gp8BLyaTaA0-unsplash-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2869\" width=\"554\" height=\"369\" srcset=\"https:\/\/juk.hmkw.de\/perspektive-journalismus\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2022\/09\/thomas-lefebvre-gp8BLyaTaA0-unsplash-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/juk.hmkw.de\/perspektive-journalismus\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2022\/09\/thomas-lefebvre-gp8BLyaTaA0-unsplash-300x200.jpg 300w, https:\/\/juk.hmkw.de\/perspektive-journalismus\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2022\/09\/thomas-lefebvre-gp8BLyaTaA0-unsplash-768x512.jpg 768w, https:\/\/juk.hmkw.de\/perspektive-journalismus\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2022\/09\/thomas-lefebvre-gp8BLyaTaA0-unsplash-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/juk.hmkw.de\/perspektive-journalismus\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2022\/09\/thomas-lefebvre-gp8BLyaTaA0-unsplash-2048x1365.jpg 2048w, https:\/\/juk.hmkw.de\/perspektive-journalismus\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2022\/09\/thomas-lefebvre-gp8BLyaTaA0-unsplash-360x240.jpg 360w, https:\/\/juk.hmkw.de\/perspektive-journalismus\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2022\/09\/thomas-lefebvre-gp8BLyaTaA0-unsplash-600x400.jpg 600w, https:\/\/juk.hmkw.de\/perspektive-journalismus\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2022\/09\/thomas-lefebvre-gp8BLyaTaA0-unsplash-800x533.jpg 800w, https:\/\/juk.hmkw.de\/perspektive-journalismus\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2022\/09\/thomas-lefebvre-gp8BLyaTaA0-unsplash-200x133.jpg 200w\" sizes=\"(max-width: 554px) 100vw, 554px\" \/><figcaption><mark style=\"color:#4200c1\" class=\"has-inline-color\"><strong>Wer eine Frage oder ein Problem hat, sucht zuerst im Internet nach Antworten.<\/strong> \u00a9Thomas Lefebvre<\/mark><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-container-5 wp-block-column\">\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das&nbsp;zweischneidige SEO-Schwert: Konflikt oder Chance?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Sich selbst zu informieren bedeutet f\u00fcr die meisten heutzutage wohl direkt den Blick ins Internet, genauer gesagt in die Suchmaschine der Wahl. Und gerade deshalb hat das World Wide Web eine ganze Menge dazu beigesteuert, dass der Servicejournalismus sich heute einer solchen Beliebtheit erfreut.\u00a0Denn mit speziellen SEO-Tools (aus dem Englischen von \u201eSearch Engine Optimization\u201c), also Online-Werkzeugen, die die Algorithmen der Suchmaschinen ber\u00fccksichtigen, k\u00f6nnen Journalist*innen haargenau erfassen, welche Begriffe Nutzer*innen am h\u00e4ufigsten in die Suchleiste tippen. Der Traum eines\/einer jede*n Journalist*in wird wahr: ganz nah am Publikum und seinen W\u00fcnschen sein, f\u00fcr den Servicejournalismus und seine Inhalte \u00fcberlebenswichtig. Und dank solcher Tools ist es m\u00f6glich, den eigenen Beitrag perfekt ma\u00dfzuschneidern und \u201eSEO-gerecht\u201c zu schreiben.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Ganz so perfekt ist dieses Ma\u00dfschneidern dann aber doch nicht. Denn bei all der Anpassung an die Bed\u00fcrfnisse der Leserschaft wird der eigene journalistische Anspruch manchmal ziemlich in Mitleidenschaft gezogen, findet Lydia Kl\u00f6ckner. \u201eIch habe h\u00e4ufiger das Problem, dass ich denke, das w\u00e4re mal ein spannendes Thema, aber es ist einfach \u00fcberhaupt nicht SEO-relevant\u201c, erkl\u00e4rt sie. \u201eNicht SEO-relevant\u201c bedeutet, dass Themen oder Begriffe nicht oft genug gesucht werden, als dass es sich aus wirtschaftlicher Sicht lohnen w\u00fcrde, einen Beitrag dar\u00fcber zu schreiben. Und das birgt nat\u00fcrlich auch Gefahren. \u201eMan gibt halt thematisch nicht unbedingt neue Anreize. Und das ist ein Problem, das ich sehe\u201c, sagt Kl\u00f6ckner.<\/p>\n\n\n\n<p>Ina Fuhrmann von der Gesch\u00e4ftsentwicklung sieht das anders: \u201eEs beeinflusst unsere Priorit\u00e4ten, aber ich w\u00fcrde nicht sagen, dass es uns komplett einschr\u00e4nkt\u201c. F\u00fcr sie liegt in der Suchmaschinenoptimierung vielmehr eine Chance f\u00fcr Autor*innen: \u201eIch glaube, dass man durch SEO sehr viel dar\u00fcber lernt, wie das Gegen\u00fcber tickt. Wir leben halt oft in unserer Blase und wissen gar nicht so genau, was die da drau\u00dfen eigentlich wirklich suchen\u201c. Durch SEO-Tools k\u00f6nne ein*e Autor*in also viel besser erkennen, mit welcher Erwartungshaltung eine Person jeweils auf die Suche nach Informationen geht. Au\u00dferdem bringe es keinem etwas, den tollsten Artikel zu schreiben, den dann am Ende aber niemand zu Gesicht bekommt, findet Fuhrmann. Das Ziel sei ja immer auch, etwas zu schreiben, was dann m\u00f6glichst viele Menschen lesen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Auf dem Siegertreppchen: Die L\u00f6sung f\u00fcr den Servicejournalismus?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Und trotzdem h\u00e4lt sich die Kritik an der zu gro\u00dfen Publikumsorientierung des Journalismus hartn\u00e4ckig. Im Juli titelte der NDR in einem Beitrag \u00fcber Medienkompetenz: \u201eDiktieren Likes Journalisten die Themen?\u201c. Das gilt nicht nur f\u00fcr den Servicejournalismus, aber eben auch.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Zukunft findet Lydia Kl\u00f6ckner, dass Journalist*innen einen Kompromiss eingehen sollten: \u201eEs w\u00e4re ja m\u00f6glich, dass wir unseren Leserinnen und Lesern neue Anreize schaffen durch neue Aspekte in unseren Texten, sodass sie eben auch in eine neue Richtung denken\u201c. So baue Kl\u00f6ckner h\u00e4ufig neue Aspekte, die sie selbst f\u00fcr wichtig h\u00e4lt, in SEO-relevante Themen ein, um Fragen aufzuwerfen, nach denen ihre Leser*innen wom\u00f6glich gar nicht gesucht haben. Dem stimmt auch Ina Fuhrmann zu: \u201eWir m\u00fcssen ja irgendwie den Punkt finden, an dem wir den Leser \u00fcberzeugen, den Artikel zu lesen. Und wenn wir ihn dort haben, dann k\u00f6nnen wir ihm genau das vermitteln, was auch f\u00fcr uns wichtig ist. Also eigentlich ist die Kombi die Kunst.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Und ein bisschen Staub l\u00f6st sich vielleicht doch vom schlechten Image des Servicejournalismus: Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat dieses Jahr zum ersten Mal einen Journalistenpreis f\u00fcr die beste Berichterstattung \u00fcber Verbraucherthemen verliehen. Ob Verbraucherbeitr\u00e4ge mit einer Troph\u00e4e in der Hand besser angesehen werden?<\/p>\n\n\n\n<pre class=\"wp-block-preformatted\"><\/pre>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<div class=\"wp-container-9 wp-block-columns\">\n<div class=\"wp-container-7 wp-block-column\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<p><em>Der Journalismus von heute k\u00e4mpft um Sichtbarkeit im Netz. Mit rei\u00dferischen \u00dcberschriften und Texten, die sich an die neuen Spielregeln der Onlinewelt angepasst haben, buhlt er darum, gesehen zu werden. <\/em><em>Vo<\/em><em>r allem der Servicejournalismus, der sich seit jeher an den Interessen seines Publikums orientiert, ist davon betroffen und gezwungen, sich den Algorithme<\/em><em><em>n anzupassen.<\/em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Prof. Dr. Maren Urner ist Neurowissenschaftlerin, Autorin und Expertin f\u00fcr konstruktiven Journalismus &#8211; eine Berichterstattung, die nach vorne schaut und Probleme l\u00f6sen will, statt sie f\u00fcr Clickbait auszuschlachten. Gemeinsam mit ihrem Team hat sie das erste deutsche l\u00f6sungsorientierte Online-Magazin gegr\u00fcndet, das sich vollkommen ohne Werbung finanziert. Den Algorithmen anpassen muss es sich aber trotzdem. \u00dcber den Konflikt mit dem eigenen journalistischen Anspruch und die Frage: Wie konstruktiv kann Servicejournalismus unter diesen Bedingungen \u00fcberhaupt sein?<\/em><\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-container-8 wp-block-column\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<div class=\"ast-oembed-container \" style=\"height: 100%;\"><iframe loading=\"lazy\" title=\"Wie konstruktiv ist Servicejournalismus? I Interview mit Prof. Dr. Maren Urner\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/fN-GA5sY4ac?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe><\/div>\n<\/div><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-container-11 wp-block-columns\">\n<div class=\"wp-container-10 wp-block-column\"><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\ud83d\udd8a\ufe0f\ud83c\udfa5\ud83d\udcf7 Servicejournalismus hat sich in den vergangenen Jahren zu einer der gefragtesten Journalismusformen entwickelt. 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